STILLE WASSER SIND TIEF 1
Ich war immer eines dieser ruhigen und gemütlichen Mädchen, das niemals den Mund aufmachte, wenn ihm etwas nicht passte. Bis zu jenem schicksalhaften Tag.
Es war ein Tag wie jeder andere vorher auch. Nichts Besonderes. Es war ein schwüler Sommertag und die Sonne stand hoch am Himmel. Kaum Wolken bedeckten den blau schimmernden Himmel. Ich saß mit meinem Bruder Manuel auf der Terrasse unseres Hauses als er auf einmal einen Telefonanruf auf seinem Handy bekam.
Erschrocken deshalb dass der Anruf die Stille dieses friedvollen Tages durchbrach, zuckte ich zusammen und fiel beinahe vom Stuhl.
Aber Manuel hingegen schien das Telefonat schon erwartet zu haben und hob mit völliger Coolness in den Sessel gelehnt und sein Baseballcap ins Gesicht gezogen ab. "Ja? Alles klar, Mann?", sagte er ruhig. "Kommst du rüber? Im Moment sind nur meine Schwester Ami und ich da. Meine Eltern sind arbeiten. Klar, bring Tobias auch mit und Chips! Wir sehen uns das Spiel auf dem Wohnzimmer-Flat-Screen an!" Ich fuhr hoch in dem Augenblick als ich dies vernahm. "Aber das geht doch nicht! Mama hat gesagt ich darf Blind Side sehen und der Film beginnt in 15 Minuten!", fauchte ich. Mein Bruder grinste mich an und entgegnete mir nur kalt: "Na und? Wer ist hier der ältere und stärkere von uns beiden? Außerdem hast du gegen mich und meine Jungs sowieso keine Chance." Ich musste mir eingestehen, viel Chancen hatte ich nicht. Aber wenn ich meinen Eltern mitteilen würde was für ein abgekartetes Spiel hier vor sich ging, so würde ich doch besser dastehen als er. Er legte auf während ich mir noch den Kopf darüber zerbrach was ich nun am besten tun sollte.
Ich stapfte wütend in mein Zimmer und begann zu überlegen. Was konnte ich nur tun? Mein Bruder war mir schon alleine an Statur und Muskulatur überlegen. Ich musste ihn irgendwie auf meine Weise austricksen. Auf eine clevere, schlaue Mädchen-Weise. Dann kam mir die Erleuchtung! Ich huschte ins Wohnzimmer und dachte. "Wenn sie nicht schauen können, gehen seine Freunde bestimmt wieder und dann wollen sie irgendwo anders Fußball ansehen" Somit zog ich einige Kabel heraus und versteckte sie in meinem Zimmer nur um hinterlistig auf Manuel und seine Gefährten zu warten. Ich kannte Tobias. Er war einer dieser ungemütlichen Typen, denen Mädchen total nicht in den Kram passten. Mädchen standen seiner Meinung nach nur unter Kosmetiker-Einfluss und waren hohl in der Birne. Ich konnte ihn vom ersten Tag schon nicht leiden, seit er meine beste Freundin Birte in der Schule gemobbt hatte.
Mich persönlich ließ er ja immer in Ruhe, da ich Manuels Schwester bin und er es sich nicht mit meinem Bruder verscherzen will.
Dann war es endlich so weit. Es läutet an der Türe und ich wusste mein Plan würde aufgehen. Er musste es einfach.
FORTSETZUNG FOLGT ^^