STILLE WASSER SIND TIEF TEIL 11
Und ich als ich da so stand, schien sich um mich herum eine Menge Schaulustiger zu versammeln. Es schien ihnen gefallen zu haben, dass ich Birte so fertig gemacht hatte und ihr nicht ein einziges Wort der Selbstverteidigung zugestanden hatte. Ich schluckte den Schmerz hinunter der sich in meinem Hals angesammelt hatte und unterdrückte die Tränen als mir eine hagere Blondine ein Bier in die Hand drückte und mich wie eine Heldin zu loben begann. Im Mitteralter würde man soetwas wohl eine Lobenhymne nennen.
"Also, habt ihr das gesehen? Diese Ami hat es doch tatsächlich der fetten Kuh gezeigt! Wer hat sie eigentlich eingeladen? Wollte der jenige sie etwa zu allgemeinen Belustigung unter die Leute mischen?", kichert sie in die Runde blickend. Und immer mehr nickten oder gaben ihr lauthals Recht. Sie begannen mich als Verteidigerin diese Festes zu rufen und meinten ich hätt es nicht ertragen jemanden, der so uncool sei wie Birte hier zu sehen.
Ich wiedersprach ihnen nicht, obwohl ich mich wege Birte schlecht fühlte. Jedoch überwog das Zufriedenheitsgefühl, welches mir sagte ich habe meine Sache gut gemacht. Die Hagere mit den langen blonden Haaren, der ich das mittlerweile halb leere Bier in meiner Hand zu verdanken hatte, grinste mich mit ihren grünen Augen an.
"Ich bin Mira!", sagte sie nicht schüchtern und hob eine Hand zum Gruß. Sie zwinkerte: "Du gehörst nun offiziell dazu Ami!" Und somit verlief mein Plan völlig schief. Ich war kein Partyaußenseiter, sondern Birte. Ich wollte sie einmal unter coole Leute bringen und nun war sie der totale Abschaum, ein nicht eingeladener Partygast ohne Freunde. Und ich? Ich war anscheinend soetwas wie der neue inoffizielle "Partygott" oder die "Partyaufsicht", damit sich uncoole Leute nicht mehr blicken liesen.
Von allen Seiten gaben mir Leute Alkohol und baten mich mit ihnen zu reden. Ich wurde wie ein Popstar behandelt und dass in meinem seltsamen Partyoutfit.
Bei mir stellten sich Mädchen aus höheren Klassen vor und stolzierten in ihren hochhackigen Schuhen mit mir durch Tobias´ ganzes Haus. Selbst mein Bruder und Tobias wollten sich in meinen Ruhm sonnen und gaben vor meine besten Freunde zu sein. Ich bemerkte immer wieder wie Tobias versuchte seinen Arm um mich zu legen und von irgendeinem "Bro und Sister-Codex" zu labern begann.
Und dann sah ich auch noch Rob und als hätte ich nicht schon genug an diesem Abend gehabt, hatte diese Frauenschwarm auch noch ein großes, attraktiver als ich aussehendes Mädchen bei sich.
Er wollte mich doch nicht etwa eifersüchtig machen?
Rob hatte es ja irgendwie zugegeben, dass er mich mochte, aber dass er mir nuun auf diese abgedrehte Eifersuchtsmasche kam... einfach wiederwertig.
Ich wollte schon hingehen und ihn oder seine Begleitung an den Haaren ziehen und ihnen die Macht der Partygöttin Ami demonstrieren als ich dann schon bemerkte wie mir übel wurde.
Hatte ich denn überhaupt so viel getrunken?
Mein Magen begann bösartig zu grummeln und sich zusammen zu ziehen, meine Beine fühlten sich langsam schwächer werdend an und meine Sicht begann sich immer mehr zu trüben.
Ich war also total betrunken und hatte es nicht einmal bemerkt bis zu diesem Augenblick.
Alles war vorher so unreal und seltsam wohlig gewesen, das Gelächter, die Berührungen der Leute und die Stimmung, außerdem hatte es nie den Anschein gemacht ich hätte genug getrunken gehabt.
Ich war wie ein Fass ohne Boden gewesen und nun war mir Birte sowas von egal. Wichtig war nur noch, dass ich es auf eine Toilette schaffte bevor es zu spät war.
Ich stand da also vor Rob, seiner Freundin mit den beiden Jungs und drei anderen Mädchen, deren Namen ich nach 5 Minuten vergessen hatte, und überlegte in meiner gebrochenen Denkweise was ich nun tun könnte um mich aus dem Staub zu machen.
Plötzlich brachen meine Beine weg, alles wurde schwarz vor Augen und dies in Sekunden-Schnelle und ich spürte wie mein Kopf auf dem Boden aufschlug. Unangenehm, höchst unangenehm sage ich euch...
Doch als wäre das nicht genug würde ich etwas unsanft geweckt.
Jemand schlug mir doch tatsächlich mit der flachen Hand ins Gesicht.
Und als sich meine Augen öffneten spürte ich die Kälte auf meiner haut und den Wind der ganz leicht durch meine Haare fuhr... ich war im Freien, der Sternenhimmel war unglaublich schön und ich begann ganz leise den Song "Sternenhimmel" zu singen, ohne auch nur Ansatzweise auf meine Umgebung zu achten. Die Person, die mir ins Gesicht geschlagen hatte, hätte ich schon längst vergesse gehabt, hätte sie mich nicht in diesem Moment angesehen...
FORTSETZUNG FOLGT